Die wunderbare Welt der Jagd – Geschichten aus dem “Krug zum grünen Jäger” in Wohlendorf

Die Truhe der nicht abgeholten Fundstücke

Im ,Krug zum grünen Jäger’ in Wohlendorf, einem der typisch norddeutschen Landgasthäuser mit Saalbetrieb von zwanzig bis einhundertsechzig Personen, bei gutbürgerlicher Küche, dessen Wirt mein Freund Hans ist, steht eine alte, eichene Truhe auf dem Flur, der entlang der Säle und Klubzimmer zu den Toiletten führt. Unter Häkeldeckchen und Trockenblumengesteck verbargen sich hier die unabgeholten Fundstücke der Kruggeschichte. Unter ihnen ein offiziell wirkendes Schriftstück auf dickem Papier. Es war total zerknüllt und von der rechten Seite war einiges weggerissen. Wahrscheinlich war es zerstiebende Zigarrenglut gewesen, die viele kleine Löcher hinein gebrannt hatte. Ein von rechts unten kommender Abdruck der Sohle eines Gummistiefels, kommunizierte, zusätzlich jedoch weitere Informationen vernichtend, prächtig  mit der Siluette des, von oben links einfließenden Kräuterlikörs. Natürlich alles längst trocken, denn vor Jahren schon hatte man es aufgegeben den Eigner zu finden.

Beglaubigte Abschr(….)
aus dem Grundb(……)
Katasteramt
Syk(…..)

war noch von der Überschrift zu lesen, bevor den Rest der Riss  gefressen  hatte.  Es folgte eine Aufzählung von
Wiesen und (…..)

sowie
Ackerland und Hofan(……)

die
in der Gemark(………….)
im  Flur  No. (…………….)
in den Flurstücken 02/(…….)

lagen. Ferner wurde
… hiermit bestätigt, dass der E(……..)
der o. g. Flächen und Gebä(……….)
der  Landwirt  Heinri(………….)
geboren am (……………)
in (………..)

sei.

Tja, alle wesentlichen Details, die der Eignerfindung dienen könnten, befanden sich auf der rechten, zerstörten Blattseite. Heinrich hieß mindestens jeder zweite und Pastor Struß darauf anzusprechen, dessen Unterschrift und Siegel zu entziffern noch gelang, wäre genau so müßig, da dieser sich  schon alt und tüdelig gab. Zudem Abschriften aus dem Grundbuch zu beglaubigen eine der Hauptaufgaben des Gottesmannes war, zumal für einen Heinrich. Und hinterher auf diesen betreffenden Abend angesprochen werden, wollte keiner der teilgenommenen Herren. Manche behaupteten sogar, sie waren gar nicht anwesend, darunter auch der eine oder andere Heinrich. Denn es war nach einer Jagdverband-Jahreshauptversammlung, die haarscharf an einer Massenschlägerei vorbeigeschrammt war, als dieses Dokument auf dem Klubzimmerboden aufgefunden wurde.

 

Rechte und Pflichten

In Regeln von Recht und Pflicht gefasst sind die Bedingungen der Jagt. Über Felder, Weiden und Wälder greifen die Grenzen eines Jagdreviers, dessen Bejagungsrecht undpflicht zwar beim Landeigner, in der Regel also dem Bauern liegt, welcher aber selten so viel Land besitzt, dass er dieses Recht alleine ausüben kann. Denn eine Jagt ist zehnmal so groß und größer als selbst eines großen Bauern Land.

So verpachtete man dieses Jagdrecht an den Jagdverband, dessen Mitglied man zumeist gleichzeitig ist. Hinzu dieser bäuerlichen Gesellschaft kommen dann noch einige etablierte Handwerksmeister oder Rechtsanwälte und Industriedirektoren der Umgebung,  wer sich eben sonst noch zu diesem Sport hingezogen fühlt und genügend Kleingeld dazu in der Tasche hat.

In dieser Familie der Jäger kümmert man sich um die Belange aller Mitglieder, also auch um die der Alten. Sogar ganz besonders um die der Alten, denn schließlich hielten sie die Rechte auf den Höfen noch in Händen und konnten so maßgeblichen Einfluss auf das Handeln des Jagdverbandsvorstandes ausüben. Und dieser sah in der besonderen Ehrenposition der Alten im Verband, eine Möglichkeit diese, Freude empfindend, zu beschäftigen, was so manches mal schon zu Überschreibungen der Hofrechte geführt hatte.

So wurde alljährlich auch eine Seniorentreibjagd veranstaltet. Auf Hase und Fasan, wobei ein aufflatternder und eine tiefe Flugbahn fliegender Fasan eine gefährliche Angelegenheit sein kann, wie man vor ein paar Jahren erfahren musste. Da hatte einer der Alten einen Fasanenhahn mit dem Lauf seiner Schrotflinte verfolgt, den besten Moment zum Schuss suchend, womit er unversehens den Vorsitzenden des Jagdverbandes vor Kimme und Korn hatte. Aus Respekt vor dem Alter erst im letzten Moment, schlug ein zufällig in unmittelbarer Nähe stehender Jagdhelfer den Lauf der Flinte zur Seite. WummWumm. Zwei ausgelöste Ladungen Schrot durchpflügten den Nebel. Knappe, wirklich knappe drei Meter seitlich über dem Haupt von Heinrich Dietrich Kahnenbley verriet eine Turbulenz im Nebel dem staunenden Heinrich Dietrich Kahnenbley die Flugbahn. Schauer liefen ihm über den Rücken. Der Fasan flatterte eiligst im Tiefflug ins nächste Unterholz.

„Watt gribbst du mie hie´je inne Flinten? Du jungäh Snööhsel?“ regte sich der Schütze gleich mächtig auf.  „Minsch Fritz!“ antwortete der Jagdhelfer, „Du haah’st up Dirk anlecht.“ „Watt?“ Der Schütze vergewisserte sich durch einen kurzen Blick der Tatsache dieser Behauptung. „Dänn …“ überlegte er kurz, als er erkannte, dass es nichts zu leugnen gab, „dänn haar ik doch sähjn! Doh haar ik doch tööf’t!“ Er gestikulierte  in Richtung des Gehölzes, in dem der Fasan verschwunden war, schimpfte noch mal „Dej Feh’soahn!“ und „Dat moak’st nich wedder!“ bevor dazueilende Kameraden ihn beruhigen konnten: „Beh’ruhich die Fritz. Hej moakt dat uk nich wedder.“

Trotzdem, man beschloss künftig zu solchen Veranstaltungen je einen Mann für die kritischen Kandidaten, das waren letztlich alle, als Helfer natürlich, zur Seite zu stellen. Gegrummel unter den Betroffenen: „Hrrehmm. Hehh.“ Als Assistenten, wie man es auf der, zwei Tage nach diesen Geschehnissen sowieso folgenden, Jahreshauptversammlung den Alten erklärte. „Tscha!“  Die könnten dann nach laden oder die Beute holen, denn die Hunde wären ja in der Regel auch schon alt. „Nohdänn.“ oder auch, ein noch lustig gemeintes: „Un dat hah jieh joh ahn’t in twee Doage utdacht?“ waren einige der Kommentare dazu.

Und es würde ein Mindestabstand, etwa drei, vier Meter von Senior zu Senior, eingehalten; und … –  Lautes, unwilliges Geschimpfe erhob sich bei den Alten. „Watt dänn noch ah’nt?“ und „Nuh geiht woll los?“ unterbrachen den Vortrag des Vorstandes. Einige der Alten waren froh beglaubigte Abschriften aus dem Grundbuch dabei zu haben. Fritz, der in Wirklichkeit übrigens Heinrich Friedrich hieß, und der der Schütze war, der die Debatte losgetreten hatte, brüllte mit aller ihm noch zur Verfügung stehenden Lautstärke: „Ik haar ehm säähjn! Ik haar nich afdrückt!“ durch den Saal. „Ruhe. Nu weest moal stille. Ruhe tohoopen.“ Der diese Versammlung vorbereitende Vorstand ließ sich nicht beirren, vor allem der Vorsitzende war wild entschlossen, so wild, dass er jetzt sogar hochdeutsch, unmissverständlich amtlich also, formulierte: „Geschossen wird bei der Seniorentreibjagd, …“ „Ik glööv’t joh woll nich!“ „… von nun an“ …“Sünn dej Russ’n nuh doar?“ „… nach.ein.ander!“ Tumulte brachen los, in dessen Verlauf gehäuft Vorwürfe gegen Fritz erhoben wurden, er wäre Schuld an dem ganzen Desaster.  Dieser brüllte wiederum durch den Saal: „Wie oft schall ik’et noch sährg’n: Ikhaar … töööööf’t!“ Die Situation drohte zu eskalieren. Beglaubigte Abschriften aus dem Grundbuch wurden durch die von Zigarrenrauch geschwängerte Luft geschwenkt. Warmburgs Johann fuchtelte schon hoch erregt mit der Gummispitze seines Krückstockes vor der Nase seines Sohnes, einem Mitglied des Vorstandes, herum. „Kumm du mie moal nah Huus!“

Gott sei Dank war Hans, mein Freund, als Wirt feinfühlig und wusste genau wann er eine Runde  auszugeben hatte. So kamen er und seine Frau mit Tabletts voller blumiger Biere herein und verkündeten, „Ruhe jetzt mal eben bitte!“, sie wollten nun auf das Wohl … – „Meine Herren. Bitte!“ – .. des Jagdverbands anstoßen. „Prost!“ und „Zum Wohl“ oder „Weidmanns Heil!“ war zum Klirren der Gläser zu hören.  Fritz wollte trotzdem „Nu’äh noch moal eäb’n …“ auf seinen, ihm widerrechtlich entgangenen Fasan zu sprechen kommen. Das Thema schien ihm etwas zu kurz gekommen zu sein. „Dring dien Bej’äh, dat watt süss kohlt!“ unterbrach ihn Hans erfolgreich. Dirk als Vorsitzender orderte vorsorglich die nächste Runde. An der Theke waren sie schon dabei zu zapfen.

Jahre später war das schon fast Tradition, drei, vier Meter Abstand zum Nächsten und nacheinander schießen. Es hatte auch andere Vorteile. Man sah wer getroffen hatte und es gab hinterher keinen Streit um die Beute. Es kam auch nicht mehr so oft zu Situationen wo mehrere Treffer, teilweise erst Sekunden nach dem tödlichen Schuss abgefeuerte Treffer, die dann vom Schützen noch als gültig reklamiert wurden, die Beute völlig unbrauchbar machten.

Durch die Lappen gegangen

Es war im eisigen Januar am ganz frühen Morgen, als ,An der Wachte’, einem noch mit filzig gewachsenen Weißdornknick bestandenen Feldweg, der vom Geestrücken kommend durch die Marsch nach Wohlendorf führte, eine Kolonne von jägergrünen Dieselfahrzeugen, ausschließlich der Marke Mercedes, in den Morgennebel einrollte. Ein wenig steif noch, der eine oder andere sich streckend und fast alle mit einem Krückstock die Last der schweren zumeist Zwillingsflinten auf dem Rücken am Boden abstützend, sammelten sich die etwa 40 Senioren mit ihren Assistenten am Feldrand. Thermoskannen mit heißem Kaffee und, nun ja, auch die eine oder andere kleine Schnapsflasche, machten die Runde um die Kälte aus den Gliedern zu bannen. Aufgeregtes, fröhliches und ab und an von gedämpftem Lachen unterbrochenes Geplapper war zu hören. Auffällig viele der Veteranen entleerten noch schnell ihre Blase am Dorn. Die Spannkraft dieses Organs lässt im Alter doch deutlich nach, zumal bei dieser Ernährung.

Von Richtung ,Bargener Sand’, das war linker Hand von ihnen, würde eine Gruppe Treiber, mit allerlei Krach machender Utensilien ausgerüstet, versuchen alles Niederwild vor die Flinten der sich jetzt zur Reihe formierenden Alten zu scheuchen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Schützenreihe hingen Lappen an einem Band, welches am Vortag vom Vorstand gespannt worden war, schlaff im Morgennebel herunter. Sie sollten Hasen von der Flucht in diese Richtung abhalten. Eine kleine Kette Fasane flatterte auf, nahm aber die für sie richtige Richtung, weg von der Reihe und nicht parallel dazu. Trotzdem wurden noch einige Schrotpackungen hinterher geschickt. Natürlich ohne Erfolg.

Fasane waren das häufigste Niederwild in diesen Zeiten, während Hasen, niemand bedauert dies mehr als der Jäger, recht selten geworden waren. Sie reagierten einfach ein wenig zu empfindlich auf die immer modernere Landwirtschaft. Die riesigen Flächen boten kaum noch Unterschlupf. Die Pestizide und sonstigen Agrargifte hatten die Schalen ihrer Eier spröde werden lassen, so dass sie beim Ausbrüten zerbrachen. Fast die Hälfte des Nachwuchses ging allein hierdurch zu Grunde und ums Haar wäre Ostern ‘84 dadurch ausgefallen.

Der Hase, der dann als erster aufsprang, war ein Alter, den die Lappen nicht sonderlich schreckten. Auch nicht als sie durch auftreffendes Schrot bewegt wurden, so dass er den Jägern hier durch ging.  Erste, zu schnelle Kritik an der Befähigung der Treiber wurde laut.  Dann aber, alle hatten gerade nach geladen, wurde ein junger Rammler in seiner Sasse aufgestöbert. Auf dem Feld war, als Nachfrucht des Getreides, eine grüne Blattpflanze angebaut, die als Kuhfutter bis zum Winter täglich frisch geerntet wurde. In den Kurven des Erntegerätes blieben regelmäßig einige Pflanzen stehen, die der Frost jetzt mit eisigem Reif umklammerte und die sich darauf hin gegen einander gelehnt hatten. Unter ihnen hatte sich Klopper Mümmelmann, ein noch recht junger und unerfahrener Rammler, eine seiner Ruheplätze zurechtgemacht, in der er den letzten Teil der Nacht verbracht hatte. Die äußersten Spitzen seiner aufgerichteten Fellhaare im direkten Kontakt zu den Pflanzen, waren vom Reif überzogen. Aber darunter war alles mollig warm. Hellwach schon, er hatte selbst das erste leise Brummen der Wagen mit ausgerichteten Löffeln registriert, nahm er den sich aufbauenden Trubel um ihn herum wahr. Er hielt sich streng an  die erste Stufe seiner Taktik des Überlebens. Im Verborgenen wartete er seinem Versteck vertrauend. Bei den Jägern machte sich derweil Unmut über die Erfolglosigkeit breit, was den Vorstand mit Sorge um die folgende Bankettstimmung erfüllte.

Die Treiber näherten sich der Grenze seines Reaktionsraumes, die Spannung war in Klopper Mümmelmanns Muskulatur auf das Äußerste aufgebaut. Bei den Schüssen auf den Fasan und den anderen Rammler, zuckte es durch seine Läufe, er konnte sich jedoch noch beherrschen. „Hoi Hoi Hoi Hoi Hoi!“ Laut und immer näher kommend lärmten die Treiber, schlugen mit Stöcken auf alte Eimer aus Metall. Irgendwann war der Punkt erreicht. Drei Meter vor einem Treiber schnellte er aus seinem Versteck. „Hier is eeejn!“ brüllte dieser den Jägern zu, die nicht mehr weit weg waren. Das Feuer des ersten alarmierte den Rest der Zunft. Mümmelmann schlug Haken. Die Läufe weit ausladend, den Körper flach am Boden und mit enormer Geschwindigkeit dahin flitzend, die er auch bei den Haken nicht mindern musste, veränderte er immer wieder seine Laufrichtung, die trotzdem, oh Jammer, oh elendes Pech, dank der Lappen, immer entlang der Reihe der Jäger führte. Natürlich hörte er nicht die Stimme des alten Rammlers, der alles aus sicherer Entfernung beobachtete: „Durch die Lappen! Geh durch die Lappen!“

Drei, vier Meter Abstand und geschossen wird nacheinander. WummWummWummWummWummWumm, dem Rhythmus der Entladungen konnte man Klopper Mümmelmanns Position entnehmen. Nun ja, Wilhelm Scherfmeiers alter Prügel hatte eine Fehlzündung, bei deren eiligen Reparaturversuch er sich den Daumen mächtig klemmte, der Nagel ging später ab; aber dafür entlud Heinrich Berkelmann seinen nagelneuen Drilling, ein Weihnachtsgeschenk seines Sohnes, und zwar relativ zeitgleich. Er wollte nur mal sehn, wie das so ist. Kawommbommbomm – der Klang unterschied sich deutlich von allen anderen. Wenn nur die Russen…, das Aufschlaggebiet lag in Trümmern, … …, aber nein, soweit wollen wir uns in dieser Erzählung nicht versteigen.

Für Mümmelmanns Lauf änderte sich dadurch wenig. Um ihn herum stoben das Erdreich und die Stängel der Pflanzen unter den aufprallenden Geschossen auseinander. Vor, neben, über und hinter ihm lagen die Einschläge. Bespritz vom Dreck, immer wieder erfolgreiche Haken schlagend, rannte er die ganze Reihe ab. Bis zum bitteren Ende. Dort, an zweitletzter Position stehend, feuerte Fögens Chrischen den ersten Lauf seiner Flinte ab. Mümmelmann war gerade acht Meter davon entfernt und wurde vom Streuradius des Schrotes an der Keule getroffen. Die Wucht des Aufpralles riss ihm den Hinterkörper herum, er überschlug sich zwei- dreimal und blieb auf der Seite liegen. Er lebte noch, aber schon starr ging sein Blick in den Nebelhimmel, erwartend dem, ja fast neugierig darauf, was da kommen wird. Er fühlte den Frost im Inneren seiner Löffel, als der, mit seinem Alter erstaunlich entsprechender Geschwindigkeit, herantrabende Hund die Lefzen um seinen Hals schlug und, den Körper aufnehmend, ihn einmal schüttelte. Kloppers Genick brach.

Allgemeiner Jubel brandete auf, unter der Jägerschaft, den Assistenten und Treibern. Alle strebten auf den Erfolgsschützen zu.  Chrischens Arbeit war noch nicht ganz beendet. Er rief seinem Hund zu: „Treff! Hiehjeh Treff! Bring hiehjeh her! Treff!“ Wenn der Hund jetzt noch gehorchen würde, wäre sein Triumph perfekt. Und tatsächlich, der alte, dicke, braun weiß gefleckte, große Jagdhund mit der schon grauen Schnauze, merkte als er seinen Namen hörte auf und trug die Beute zu seinem Herrn. Von überall her klopfte es kräftig auf Chrischen Fögens Schultern, der trotz seines Rheumas, weswegen man ihn sonst kaum noch anfassen durfte, keine Schmerzen sondern nur noch Hochgefühl empfand. Das Adrenalin rauschte durch seine Adern.

Das Klopper Mümmelmann die einzige Beute des Vormittags blieb, abgesehen einer zu neugierigen, mehr versehentlich abgeschossenen Krähe, minderte die Stimmung beim mittäglichen Bankett im ,Krug zum grünen Jäger’ – bei Grünkohl und Kassler – überhaupt nicht. Es gibt so viele Geschichten zu erzählen, wenn man Jäger ist, und die von heute war nicht die schlechteste. „Hess sähn wie Treff dänn Rammler brocht haar?“ Immer wieder kam Chrischen auf die Ereignisse des Abschusses zu sprechen. „Jooh, wöör fein.“  „Minsch, dej is uk aal old, hätt uk Rheuma.“  „Jooh, gaans fein.“ Ein Korn, getrunken aus mit Eis überzogenen Gläsern, unterbrach den Dialog nur kurz. „Toohuus licht hej nur noch dänn gaahn’ Dach achtern Oahm.“  „Nej oabah Fünndoage, … wirglich, dat wöör gaans watt fein’t!“   Das Eis der geleerten Gläser begann zu tauen. Mit sinnierendem Blick darauf wischte Chrischen es mit dem Daumen herunter. Zum Vorschein kam ein kleines buntes Bildchen. Ein Keiler brach darauf, mit gebleckten, Dolch langen Hauern, aus gestürztem Windbruch junger Tannen  hervor. Ganz sicher waren seine Sauen paarungsbereit. Ich übersetze das mal gleich ins Deutsche, was Chrischen nun murmelte: „Tja, diese Keiler, die haben es echt gut.“ Keiner wusste, was er damit meinte.

Nachtrag und Berichtigung:

Eine Behauptung in der Erzählung stammt aus der Rubrik Jägerlatein. Der Inhalt dieser Behauptung ist falsch.