Erdbeeren

„Ein absolut praktikables Rezept zum Bild! … Ja? … Etwas, was die Leute auch nachbacken können und was trotzdem kulinarische Kompetenz und Leistungsfähigkeit ausweist. … Ja? … Das brauchen wir zum Bild.“

Hallo, ich bin’s, Luzifer. Da wir schon mal dabei sind über Kompetenz, Leistungsfähigkeit und Qualität zu sprechen, wundern Sie sich eigentlich darüber, warum auf dem Bild eines üppigen, offensichtlich sommerlichen Kuchensortiments keine frische Erdbeere zu finden ist? Die Antwort ist einfach, Rennig Söffker, Agronom des Martfelder Rennig’s Hoff, in Spargel macht er übrigens auch bemerkenswert  (siehe zu allem MUEHLENSPARGEL.DE) und unser einziger Lieferant frischer Erdbeeren, erntete zum Zeitpunkt der Herstellung seine Früchte offensichtlich nicht. Ob noch nicht oder nicht mehr, ließe sich sicher aus der Betrachtung des Bildes sicherlich schließen; fest steht jedenfalls, lange dauert die Ernte nie. Im vergangenen Jahr, 2010 also, gerade einmal knapp sechs Wochen. War ein mieses Jahr, erdbeermäßig geschäftlich betrachtet. Für beide, für Ihn und für uns. Die Sonne, unser geliebter Zentralstern, verweigerte Martfeld schlichtweg zu lange ihre Gunst.

Andere Früchte wollen wir nicht verarbeiten. Marocco Anfang April, kontrolliert Bio natürlich, schon gar nicht. Aber auch sonst, sortieren, angedetschte Stellen herausschneiden, Aromaschwäche durch Alterung kaschieren oder gar ein Waschen der Früchte, das alles wollen wir nicht. Und, dass machen wir auch nicht. Jegliche andere Prüfung erwies sich als mangelhaft. Bisher jedenfalls. Neue Angebote, liebe Biogärtner, dürfen gerne zur Prüfung vorgelegt werden.

Das rote Gold nennt Rennig Söffker seine Erdbeeren. Und so behandeln sie die Früchte dort auch. Man hat in seinem Erdbeerkühlhaus als Vertreter eines zugegeben bescheidenen Großabnehmers fast das Gefühl, bloß nichts anfassen hier. Ist die Tür auch ordentlich geschlossen? Füße abgetreten? Am Besten gar nicht gucken. Was hat man hier eigentlich zu suchen? Diesen kritischen Blicken, Verdachtsmomenten sonstiger unlauterer Absichten zudem, muss man standhalten, so ist das da nun mal. Einmal gab’s sogar blaue Flecken. Natürlich nicht an den Erdbeeren.

Und, da wir gerade so intim sind, in seiner Psyche so intim sind, es gibt Spezialsorten. Zu empfindlich, nicht für langen Transport oder tagelange Lagerung geeignet. Aber Aroma und Farbe? Ohne Gleichen! Corona wäre eine solche Sorte, aber Corona ist es nicht, sagt er jedenfalls. Er fängt dann immer an unverständlich zu nuscheln, wenn man ihn zu den Geheimnissen seiner Qualitäten direkt fragt. Oder er weicht aus, bevorzugt auf den aktuellen Tabellenplatz des SV Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga. Wunschgegner in der Champions Leageu werden da genannt, und was für Unwichtigkeiten man sonst so für erwähnenswert hält, unter Werderfans. Wie langweilig, wie unpassend und außerdem (ich nenne nur den Namen Ivan Klasnic) wie unkritisch. Einmal, nach ewig langem Nachbohren, wurde er dann doch konkret: „Muss ich wirklich anderen erzählen, wie man es macht?“ Sein Gesichtsausdruck lieferte die Antwort gleich mit: Nein, muss er nicht.

Oh, der Platz wird knapp und Sie sollten doch auf Basis dieses ‚Rezeptes’ einen außergewöhnlichen Kuchen backen können, einen der kulinarische Kompetenz im Biobereich nachweist, der machbar ist und dabei eine hohe Leistungsfähigkeit dokumentiert, wie es der Chefredakteur dieses Kalenders fordert. Wie wäre es mit einem Erdbeerkuchen? Der geht so: Zunächst einmal suchen Sie sich die unangefochten besten Früchte aus. Geben Sie sich mit nichts geringerem zufrieden. Verzichten Sie jedoch auf Knuffe gegen ihren Händler oder Gärtner, die blaue Flecken auslösen können. Schließlich wollen Sie selber auch keine erleiden. Alles was Sie sonst noch benötigen, etwa Rezepte und Verfahrensweisen für Böden, Cremes und Glasuren, die in Büchern oder Zeitschriften zu finden sind, sind brauchbar. Der wahre Unterschied liegt immer in der Qualität des Rohstoffs. Immer!

Es war nett mit Ihnen zu plaudern und es grüßt Sie ganz herzlich